Zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz – Warum mir Paul Celans “Todesfuge” so viel bedeutet

Heute vor 67 Jahren, am 27. Januar 1945 wurde das Todes- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von den Alliierten befreit, in dem die Nazis allein in diesem Lager 1.500.000 Menschen ermordet haben. Im Gedenken an die Millionen Opfer der Nazis möchte ich Paul Celans Gedicht “Die Todesfuge” verlinken, das er selber rezitiert.

Dieses Gedicht bedeutet mir persönlich sehr viel, da ich es in der Schule zur Interpretation vorliegen hatte, und völlig beeindruckt war von der Sprache Celans und dem Oxymoron “Schwarze Milch”. An diesem Tag war in der Schule der “Tag der offenen Tür”, an dem die Eltern am Unterricht teilnehmen konnten. Ich erinnere mich, dass auch mein (inzwischen verstorbener) Vater den ganzen Schultag lang mit mir im Unterricht sass.

Da er kein Deutsch konnte, habe ich ihm den Text, so gut es mir gelang, auf türkisch übersetzt. Ihn hatte die Konstruktion “schwarze Milch” ebenfalls sehr bewegt. Er meinte damals, dass es im Türkischen einen Ausdruck gäbe, das entfernt daran erinnern würde. Wenn man mit jemanden in Feindschaft ist, würde man ihm drohen, “ihm seine von der Mutter getrunkene Milch leidig zu machen” (sinngemäss übersetzt). Es war das erstemal für ihn, das er sich mit der Nazi-Vergangengheit Deutschlands in Verbindung mit deutscher Literatur direkt auseinandergesetzt hat. Wir haben danach viel über Deutschlands Geschichte in der Nazi-Zeit gesprochen, und dieses Gedicht bildete sozusagen den Anfang:

Ein weiteres Gedicht zur Mahnung und zum Gedenken ist “An die Nachgeborenen” von Bertolt Brecht, von ihm selber gesprochen.
Es ist eins meiner Lieblingsgedichte, da hier vor allem folgende Verse für mich eine unglaublich tiefe Weisheit beinhalten, das erinnert mich stark an die verführerischen Kräfte der Dunklen Seite der Macht:
“Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser.”