Captain America 2 – eine Allegorie auf das Überwachungszeitalter

Gestern habe ich “The Return of the First Avenger” gesehen, den zweiten Film um Captain America von Marvel Comics. Im Original heisst er “Captain America: The Winter Soldier”. Keine Ahnung, warum der deutsche Verleiher einen englischen Titel durch einen anderen englischen Titel ersetzt hat. Vielleicht, weil “The Return of …”-Titel besonders schick oder modern klingen? Aber abgesehen davon ist der Film gut gelungen. Neben solidem Handwerk in Form von Action, Abenteuer, Kampf- und Autocrash-Szenen ist auch die Story interessant. 
Ohne viel verraten zu wollen; es geht um den Feind im Inneren:
S.H.I.E.L.D. wird von innen heraus angegriffen, keiner kann mehr dem anderen trauen, und da Nick Fury (wie immer grandios gespielt von Samuel L. Jackson) sowieso kein Naivling ist, wird er besonders misstrauisch, was seine Aufgabe, die freie Welt zu beschützen, nicht einfacher macht.

Captain America (gespielt von Chris Evans) und die powervolle Black Widow (gespielt von der hinreissenden und anmutigen Scarlett Johansson) geraten hier sofort in einen Sumpf aus Verrat und Korruption, der bis in die höchsten Ebenen von S.H.I.E.L.D. und der US-Politik reicht. Da hat es natürlich ein Held, der als Sinnbild für die USA steht, nicht leicht.


Quelle: Wikipedia EN

Interessant ist hier, dass aktuelle reale Geschehnisse gut in die Story eingeflochten sind. Sei es die totale Überwachungsmöglichkeit durch Datenspeicherung einer eigentlich für das Gute kämpfenden Organisation und der mögliche Mißbrauch dieser Daten durch eine durch und böse Organisation, die einen millionenfachen Mord an allen Personen plant, um eine Diktatur ohne diese möglichen störenden Personen zu errichten. Ich glaube, ich verrate nicht zuviel, wenn ich hier offenlege, dass HYDRA seine Finger im Spiel hat, oder dachtet ihr, sie wäre mit dem Tod von Red Skull wirklich untergegangen?
Die “Todesliste” von HYDRA wird vor allem von Computern aufgrund von Daten errechnet, die insgesamt über die verschiedensten Kanäle (Internet, Telefon, Satellitendaten usw.) zusammenkamen. Im Film heisst es, “aufgrund Deiner Vergangenheit können wir Deine Zukunft berechnen”. Die WEB3.0-Technologien lassen grüßen und wir können im realen Leben froh sein, dass diese Technologien von den bekannten Internet-Konzernen nur dafür verwendet werden, um uns mit personalisierter Werbung zu “beglücken”.

Wenn die waffenstrotzenden Heli-Carriers (im Gegensatz zu den Comics dienen sie hier nicht als mobile Zentrale von S.H.I.E.L.D.) sich emporheben um “Ordnung in das Chaos” zu bringen, kann es einem schon mulmig werden in diesem Science-Fiction-Film, der als Hollywood-Blockbuster eigentlich unsere nähere Zukunft beschreibt. Er zeigt einen körperlosen, moral- und empathiefreien, vollautomatisierten Drohnenkrieg. Und wenn die Helden alle Dateien und Pläne von HYDRA aber auch von S.H.I.E.L.D. der Öffentlichkeit zugänglich machen, erinnert dies an Whistleblower wie Snowden oder Manning, auch das schafft einen konkreten und beklemmenden Bezug zu unserer Realität.


Quelle: Deviant Art, N-City

Der Namensgeber des Films, der Winter Soldier, ist wiederum ein Gegner, der HYDRA dient und Captain America an Kraft und Wendigkeit ebenbürtig ist. Allein seine Vorliebe für Feuerwaffen aller Art und die Skrupellosigkeit, diese gegen alle und alles auch tödlich einzusetzen, unterscheidet ihn noch von Captain America. Der Verdacht, er sei körperlich ähnlich verändert worden wie einst Captain America, und dazu noch gehirngewaschen, liegt nahe. Von daher agiert er eigentlich jenseits von Gut und Böse. Die Beziehung dieser beiden Figuren, die eigentlich zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind, ist dementsprechend nicht glanzpoliert. Wenn beide nicht kämpfend, sondern mit Dialogen aufeinander treffen, ertrinkt der Film leider in einem Pathos, der kaum zu ertragen ist. Glücklicherweise sind das nur ganz wenige Szenen, in denen man als Zuschauer die superzähen, gestelzten  Dialoge am liebsten stummschalten möchte.

Alles in allem lohnt der Filmbesuch, auch wenn man sich nicht zu den Fans von Marvel-Comics zählt, für die sicher viele Hinweise und Zitate zu finden sind. Dass Stan “the Man” Lee höchstselbst im Film auftaucht, ist für Marvelfans natürlich ein freudiges Ereignis. Aber auch wenn man ihn nicht erkennen sollte, ist es möglich, der Story zu folgen :-D

Auf jeden Fall sollte man sich den Abspann komplett anschauen, da der nächste Captain America Film angekündigt wird.
Dabei werden auch weitere Figuren aus dem Marvel-Universum eingeführt, wie z.B. der fiese Nazi “Baron Wolfgang von Strucker“, der Mitbegründer von HYDRA, und die Zwillinge Quicksilver und Scharlachhexe, die in den Comics als Kinder von Magneto zunächst dessen Bruderschaft der Mutanten angehörten, später die Seiten wechselten und Mitglieder der X-Men wurden (Scharlachhexe war danach sogar Mitglied der Westküstenrächer). Aber wie diese Figuren filmisch umgesetzt sind, sehen wir leider erst im Mai 2016, wenn der dritte Captain America Film anläuft. Ich freue mich schon darauf!

Link zum wikipedia-Artikel von The Return of the First Avenger (Achtung SPOILER!!)